Pfarrer Prälat Werner Plenker

Persönliche Daten unseres Präses 1957 – 2001, Ehrenpräses 2004

Geboren
Priesterweihe
KaplanDompfarrvikar
PfarrerMonsignore
i. R.
Prälat
Gestorben
8. Februar 1927 Essen-Kray
24. Februar 1954 Köln
7. März 1954 Köln,
St. Maternus
19. Dezember 1957
3. Februar 1972 Köln,
St. Maria in der Kupfergasse
8. Oktober 1987
1. Oktober 2001
19. Januar 2002
18. Juli 2015
Portrait Prälat Werner Plenker

„Machen Sie sich und mir die Freude, zu kommen und es zu tun!“ Mit diesen Worten überzeugte Domvikar Werner Plenker einmal einen Mann zu beichten, der sichtlich zögerte, in den Beichtstuhl des Domes zu gehen, in dem der junge Priester gerade saß. „Machen Sie sich und mir die Freude, zu kommen!“ Diese Freude, einem anderen Menschen zu helfen, Gott und damit dem Heil zu begegnen – vor allem in den Sakramenten der Kirche – diese Freude war dem weit über die Grenzen des Erzbistums Köln hinaus bekannten Priester Werner Plenker Zeit seines Lebens anzumerken. Er war während seiner aktiven Zeit von 1954 bis 2001 an nur drei Stellen innerhalb der Rheinmetropole eingesetzt; sein seelsorgliches Wirken erreichte aber regelmäßig auch Menschen, die aus anderen Bistümern kamen.

Foto: Sodalenfahrt zum Priesterseminar in Bensberg, 1964 mit Präses Domvikar Werner Plenker (vorne rechts)

Dies hing zunächst mit den beiden Kirchen zusammen, an denen er nach seiner ersten Kaplansstelle an St. Maternus tätig war: dem Kölner Dom (1957-1972) und der Wallfahrtskirche St. Maria in der Kupfergasse (1972-2001), die zu seiner Zeit noch eine eigene Pfarrei war.

Der Dom zieht als weltberühmtes Bauwerk und größtes Gotteshaus nördlich der Alpen, als Metropolitankirche und kostbarer Schrein über den Reliquien der Heiligen Drei Könige bis heute sehr viele Menschen an; das war auch in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts schon so.

Werner Plenker stellte sich als Seelsorger in den Dienst vieler dieser Menschen und knüpfte in den fast 15 Jahren seines Wirkens als Dompfarrvikar bzw. Domvikar viele seelsorgliche Beziehungen, die auch lange danach, zum Teil bis zu seinem Tod andauerten. Als er 1972 im Alter von 45 Jahren seine erste und einzige Stelle als Pfarrer an St. Maria in der Kupfergasse antrat, da hatte die kleine Innenstadtgemeinde offiziell nur ein paar Hundert Mitglieder.

Die aus dem Jahr 1675 stammende Kapelle, die im Eingangsbereich der Kirche liegt, entspricht in ihren Maßen genau dem Haus der Heiligen Familie, das sich in Loreto befindet. Sie beherbergt die dunkelbraune Marienfigur mit dem Jesuskind, die täglich von unzähligen Besuchern aufgesucht und wegen der zahlreichen Gebetserhörungen als Gnadenbild verehrt wird.

Schon der selige Adolph Kolping zählte zu den regelmäßigen Besuchern der Schwarzen Mutter Gottes. Hier zu beten und eine Kerze aufzustellen, gilt neben dem Aschenkreuz und einer Tante im Kloster als eines der sogenannten „kölschen Sakramente“. Auch heirateten schon damals viele Brautpaare gerne in der bekannten, kleinen Kapelle.

Das sonstige Leben der Pfarrgemeinde aber war Anfang der 70er Jahre sehr überschaubar und weitgehend zum Erliegen gekommen. Es wird berichtet, dass die Mehrzahl der Personen bei der Einführung des neuen Pfarrers aus seinem bisherigen Wirkungskreis am Dom gekommen sei, wo es u. a. zu den Aufgaben von Werner Plenker gehörte hatte, sich um die Ministranten zu kümmern. Dem Erzbischof tat der Pastor angesichts des wenig motivierenden Empfangs am neuen Einsatzort ein wenig leid; Pfarrer Plenker aber meinte: „Herr Kardinal, kommen Sie nächstes Jahr wieder, dann ist die Kirche voll“! Mit dieser mutigen Behauptung behielt er Recht. Der Kirchenbesuch sonntags und werktags, die Zahl der Taufen, Erstkommunionen, Firmungen und Konversionen bzw. Wiedereintritte nahm seit dem Amtsantritt von Pfarrer Plenker in beeindruckender Weise zu.

Bald gehörte die Kupfergasse nach dem Dom zu den Pfarreien, die nicht nur prozentual, sondern auch absolut den stärksten Kirchenbesuch im ganzen Erzbistum hatten. Dies hängt eng mit dem Wirken von Prälat Werner Plenker zusammen, dem auch ich mit meiner Familie und vielen weiteren Gläubigen eine wirklich geistliche Heimat zu verdanken haben. Im Rahmen dieses Beitrags ist es lediglich möglich, einige Aspekte seiner vielseitigen Persönlichkeit und seines weitreichenden seelsorglichen Wirkens zu skizzieren, das verdient, in guter Erinnerung gehalten zu werden.

Gütiger Beichtvater

Ein erster Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im Beichtdienst. Ihm widmete er sich mit großer Einsatzbereitschaft als Domvikar an der Kölner Kathedrale (1957-1972), als Pfarrer an St. Maria in der Kupfergasse (1972-2001) und auch bis zu seinem Tod 2015, soweit seine Kräfte dafür reichten. Von 1973 bis zu seinem Tod im Jahr 2015, d. h. die letzten 42 Jahre seines Lebens, konnte ich dies beobachten und bin mir darin mit all denen einig, die ihn ebenfalls gut gekannt haben.

Einer der Gründe warum er so regen Zulauf als Beichtvater hatte, war der „Seeleneifer“, mit dem sich Werner Plenker dieser Aufgabe widmete. Kardinal Höffner hatte dem für seine Einsatzfreude bekannten Priester den Rat gegeben: „Behalten Sie in der Kupfergasse die gottesdienstliche Ordnung bei, die Sie am Dom kennengelernt und praktiziert haben!“ Pfarrer Plenker setzte dieses Wort des Erzbischofs gewissenhaft um. So führte er montags bis samstags eine regelmäßige Beichtzeit von 7.30 bis 9.00 Uhr ein und war samstagsnachmittags von 14.00 bis 18.00 Uhr im Beichtstuhl zu finden. An diesem Ort suchten ihn viele Menschen auf; wenn die offiziellen Zeiten für die große Zahl von Beichtwilligen nicht ausreichte, dann saß er auch nach den Abendmessen dort – und machte am Ende der Messfeier darauf aufmerksam.

Präses Pfr. Werner Plenker mit einem seiner ersten Meßdiener, Markus Hofmann, unser Sodale und Domkapitular

Präses Pfarrer Werner Plenker mit einem seiner ersten Meßdiener, Markus Hofmann, unser Sodale und Domkapitular

In der Advents- und Fastenzeit nutzte er viele Male die Gelegenheit, die Gläubigen auf die Bedeutung einer guten Beichte hinzuweisen. Er warb so nachdrücklich für dieses Sakrament, dass jeder Kirchenbesucher wusste: Ohne Beichte fehlt mir ein notwendiger Teil der Vorbereitung auf Weihnachten bzw. Ostern. Er gab dafür u. a. folgende anschauliche Erklärung: „Wenn Sie vor Weihnachten eine gute Beichte abgelegt haben, dann haben Sie die wichtigste Vorbereitung für das Fest erledigt. Sie können dann ganz gelassen auf den Heiligen Abend zugehen. Und sollte dann sogar – was ich Ihnen nicht wünsche – der Weihnachtsbaum umfallen, dann können Sie den Heiligen Abend trotzdem in Freude feiern: denn der wichtigste Teil der Vorbereitung wird Ihnen auch dadurch nicht genommen.“

Es kamen auch Priester zur Beichte; einer von ihnen erläuterte mir: „Ich bin ja theologisch und pastoral nicht immer einer Meinung mit Werner Plenker gewesen; aber im Beichtstuhl habe ich in ihm einen sehr verständnisvollen, weisen und gütigen Priester gefunden. Darum bin ich gerne zu ihm gegangen.“ Seine Geduld und Güte im Beichtstuhl kann ich auch selbst bezeugen. Bei ihm habe ich meine erste Beichte abgelegt und bin viele Jahre regelmäßig zu ihm gegangen, um dieses Sakrament zu empfangen. Er hat immer verstanden, es dem Beichtenden leicht zu machen, seine Sünden zu bekennen. So laut und mitunter auch donnernd er als Prediger werden konnte, so verständnisvoll und zartfühlend im besten Sinne konnte er im Beichtstuhl sein. Pastorales Handeln und priesterliche Güte bedeuteten dabei für ihn nicht, Abstriche an der Lehre und der Disziplin der Kirche zu machen, sondern wie ein guter Arzt auf die Situation des Einzelnen einzugehen und angemessen zu reagieren.

Einen Kaplan oder offiziell zum Subsidiar, d.h. zur Unterstützung, ernannten Priester hat er in den 29 Jahren seines Dienstes als Pfarrer nie gehabt. Er konnte jedoch Oberstudienrat i.R. Msgr. Joseph Westermann und später Pater Alexander Ultsch CMM, ab 9. Juni 2011 Sodale unserer Kongregation, gewinnen, ihm die Werktagsmesse um 8.00 Uhr und eine der beiden ersten Messen am Sonntagvormittag abzunehmen.

Pfarrer Werner Plenker (rechts) mit seinem Subsidiar Pater Alexander Ultsch CMM (links)

Pfarrer Werner Plenker (rechts) mit seinem Subsidiar Pater Alexander Ultsch CMM (links)

Wortgewaltiger Prediger

Die Predigten haben wohl am stärksten zu der überregionalen Bekanntheit von Pfarrer Plenker beigetragen. Im Laufe der Jahre sprach sich seine besondere Fähigkeit zu predigen herum, weit über Köln hinaus. Regelmäßig, d. h. Sonntag für Sonntag, oft auch an Werktagen, kamen Gläubige aus anderen Teilen der Stadt oder vorgelagerten Orten, z.B. aus Bergheim, Pulheim, Stommeln, aus Neuss, Düsseldorf, Bergisch Gladbach, Leverkusen und Bonn, ja sogar aus Aachen, Duisburg und Essen.

Besonders bemerkenswert war es, dass darunter alle sozialen Schichten vertreten waren, Universitätsprofessoren, Fussballmanager, Chefärzte, Geschäftsleute, Handwerker und einfache Arbeiter. Die Fähigkeit, für sie alle eine möglichst passende Sprache zu finden, die gleichzeitig die Botschaft des Evangeliums nicht verkürzt oder gar verfälscht, gehört zu den pastoralen Talenten, die ich an Werner Plenker besonders bewundert habe.

In den Predigten der sogenannten „Kindermesse“ sonntags um 8.30 Uhr konnte er es wagen, eine Karte des Heiligen Landes mitzubringen und die anwesenden Kinder zu fragen, an welchem Ort das jeweilige Ereignis aus dem Leben Jesu bzw. der Apostel stattgefunden hat. Er kannte seine Hörer und sorgte für eine solide Glaubensunterweisung. Solche katechetischen Hilfsmittel dienten der Glaubensunterweisung und lenkten nicht vom Zentrum des Geschehens ab. Eine Homilie in der hl. Messe um 11.15 Uhr konnte ggf. auch einmal 7 (!) Unterpunkte umfassen und erstreckte sich ausnahmsweise auch einmal über zwei aufeinanderfolgende Sonntage.

Die Länge der Sonntagspredigten ging über die sprichwörtlichen zehn Minuten hinaus; es war aber in alle Regel leicht, den Darlegungen von Pfarrer Plenker zu folgen, weil er in der Einleitung meistens eine Übersicht über die Zahl bzw. den Inhalt der folgenden Punkte gab und immer sehr lebendig predigte. Da er frei sprach, war die thematisch gleiche Predigt am Samstagvorabend in der Formulierung anders als am Sonntag. Dabei ging es ihm nicht um rhetorische Brillanz, sondern seine einzige Sorge war es, den Glauben der Kirchenbesucher zu nähren, zu stärken und zu fördern. Ich erinnere mich gut, wie er einmal nachdrücklich betonte, die wichtigste Eigenschaft einer Predigt sei zunächst einmal, dass sie wahr ist, das heißt mit dem katholischen Glauben übereinstimmt.

Andernorts war gerade in den 70er Jahren als Ergebnis einer wenig verdauten Exegese und Pastoraltheologie von manchem Prediger vor allem zu hören, was das Evangelium nicht beinhalte, was Jesus – angeblich – nicht gesagt oder getan hätte. Viele Katholiken konnten davon aber geistlich und geistig nicht leben. Sie sehnten sich nach der „gesunden Nahrung“ für ihren Glauben und viele fanden diese in der Kupfergasse.

Pfarrer Plenker kannte die Fragen der Menschen und er gab ihnen tragfähige, begründete Antworten. Nicht nur einmal betonte er: „Geben Sie Ihren Verstand bitte nicht an der Kirchtüre ab, wenn Sie zur hl. Messe kommen. Es geht nicht um einen blinden, unvernünftigen Glauben, sondern es gibt sehr gute Gründe, an Jesus Christus zu glauben und sich an das zu halten, was die Kirche in seinem Auftrag lehrt.“

Die Antworten, die Pfarrer Plenker gab, entsprangen deshalb auch nicht einfach seinem persönlichen Nachdenken, sondern er gab ihnen die Antworten aus dem Glauben der Kirche, den er als kostbares Geschenk empfand und vor Verwirrung bewahrt wissen wollte. Die Treue zum Papst und zu seinem Erzbischof war für Werner Plenker selbstverständlich; er identifizierte sich nicht nur teilweise, sondern uneingeschränkt mit der Kirche und zeigte dies unter anderem durch das konsequente Tragen der Priesterkleidung. Meistens trug er die Soutane, die bei ihm wirklich Ausdruck von Einfachheit in der Lebensführung war. Bei gelegentlichen Opernbesuchen konnte man ihn aber auch mit Hut und elegantem weißem Schal sehen, natürlich auch dann als Priester erkennbar.

Das Wort „ich“ vermied er in den Predigten bewusst; so hatte er es im Priesterseminar gelernt. Das hinderte ihn nicht, bei passender Gelegenheit anschauliche Beispiele und Erlebnisse aus seinem eigenen Leben einzubauen. Immer standen diese dann im Dienst der Glaubensverkündigung. Pfarrer Plenker meinte, mit „Fünf-Minuten-Pröbchens-Predigten“ könne er den geistigen Hunger seiner Hörer am Sonntag nicht ausreichend stillen; darum dauerten die Predigten bei ihm länger, ohne langweilig zu sein. Er legte Wert auf die sorgfältige Vorbereitung, für die sich der vielgefragte Seelsorger vom ersten Werktag einer neuen Woche an Zeit nahm. Bis mittwochs reiften seine Gedanken, die er dann seiner Haushälterin diktierte, so dass er die Predigt am Donnerstag und Freitag auswendig lernen konnte.

Die Hinweise, die Papst Franziskus zur Predigtvorbereitung in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ Nr. 145-159 gibt, hat Werner Plenker praktiziert. Er vermied es, in alte Aufzeichnungen zu schauen, um sich nicht zu wiederholen und auf „eingefahrenen Gleisen“ weiterzudenken. An Werktagen predigte er ebenfalls, natürlich kürzer und mit einer weniger intensiven Vorbereitung. Weil er ein betender und auch ein theologisch sich stets weiterbildender Priester war, konnte er dabei aus dem Reichtum seines geistigen Vorrats schöpfen, ohne Gefahr zu laufen, sich ständig zu wiederholen oder niveaulos zu werden.

Es war ihm ein wirkliches Anliegen, seinen Hörern zu helfen, auch in der Tiefe und Reife des Glaubens wachsen zu können. Dabei war er sich bewusst, dass nicht er dieses Wachstum bewirkte, sondern Christus. Aber er war sich zugleich klar über seinen Auftrag als Priester: all seine Kräfte einzusetzen, um der Gnade den Weg zu ebnen.

Unermüdlicher Pastor

Zu diesem Einsatz zählte für ihn selbstverständlich und an erster Stelle das Gebet. Täglich betete er von Montag bis Freitag selbst den Rosenkranz vor, der bis heute in der Gnadenkapelle um 18.00 Uhr der Abendmesse vorausgeht. Als man ihm einmal riet, sich in dieser Zeit „frei“ zu nehmen und anderen Personen, die zweifellos zur Stelle gewesen wären, das Vorbeten zu übertragen, erwiderte er: „Gönnt mir doch diese halbe Stunde, bei der ich so gut neue Kraft schöpfen kann!“ Mit pastoralem Geschick half er den Gläubigen, den Rosenkranz betrachtend zu beten, indem er kurze Impulse gab oder den jeweiligen Zusatz in der Mitte des Gegrüßet-seist-du-Maria ein wenig anders formulierte. Aus der wachsenden Zahl der Messdiener fanden sich nach und nach immer wieder solche, die ebenfalls zum Rosenkranzgebet in die Gnadenkapelle kamen, bevor sie dann in der Abendmesse ministrierten. Der Herr Pastor, wie er üblicherweise genannt wurde, leitete sie behutsam an, das eine oder andere Gesätz des Rosenkranz ebenfalls vorzubeten. Das motivierte natürlich nicht nur, weiterhin zu kommen, sondern war eine echte Schule des Gebetes.

Dies gilt ebenso für die eucharistischen Andachten, die samstags und sonntags vor den jeweiligen Abendmessen liegen. Pfarrer Plenker achtete darauf, dass die Anbetung Jesu Christi im Mittelpunkt dieser und aller Gottesdienste lag. Angefangen vom in aller Regel reichen und zugleich der jeweiligen Zeit des Kirchenjahres angepassten Blumenschmuck über die Sauberkeit und Schönheit der Altarwäsche bis hin zur sehr überlegten Liedauswahl wusste er alle Sinne der Gläubigen anzusprechen und sie zur Verehrung, ja zu einer echten Liebe Jesu im Allerheiligsten Altarssakrament hinzuführen. Dies begann er schon bei den Kindern, die er gemeinsam mit einer Katechetin auf die Erste heilige Kommunion vorbereitete. Der Besuch einiger eucharistischer Andachten war Teil dieser Vorbereitung. Mit großer Ehrfurcht und Liebe nahm der Pastor dabei die heilige Hostie aus der Monstranz und trug sie mit dem Velum um die Schultern, nur von der Lunula, dem goldenen Halbmond, getragen zu den Kindern. So konnten diese Jesus in der heiligen Hostie besser sehen.

Der Glaube an die wirkliche Gegenwart Jesu in der heiligen Eucharistie konnte leicht vom Herzen dieses Priesters übergehen in die Herzen der Kinder. Denn er lebte diesen Glauben überzeugend vor. Bei all dem kam die theologische Reflexion nicht zu kurz. Die kurzen Ein- und Überleitungen in den eucharistischen Andachten waren sowohl theologisch zutreffend und niveauvoll als auch für die Kirchenbesucher verständnisvoll und lebensnah formuliert.

Eine besondere Aufmerksamkeit des Pastors galt den Kranken. Pfarrer Plenker hatte keinen Führerschein, aber sobald er von der Erkrankung eines Gläubigen erfuhr, war er möglichst rasch zur Stelle.
Er verstand es mit großem Einfühlungsvermögen, Trost zu spenden oder auch verhärtete, verletzte oder verängstigte Herzen zu öffnen.

Werner Plenker konnte Menschen gewinnen, indem er ihnen zu verstehen gab:
„Ich zähle auf dich, ich schätze dich und ich vermisse dich, wenn du weggehst.“
Dabei wollte er die Menschen nicht an sich binden, sondern an Christus und an die Kirche, den fortlebenden Christus in der Geschichte.

Obwohl er keinen Pfarrgemeinderat hatte, praktizierte er eine eigene Art von Partizipation: Die große Schar der Ministranten – bei den Adventsfeiern kamen manchmal bis zu 80 – organisierte sich beispielsweise in praktischer Hinsicht weitgehend selbst. Die älteren Messdiener führten die jüngeren durch das praktische Tun in den Dienst ein. Ein Messdienerplan wurde nicht benötigt, weil jeder jederzeit dienen konnte – und weil die Altardiener im Kindes-, Jugend und Erwachsenenalter gerne und zahlreich kamen. Wer an einem Sonntag nicht erschien, der musste allerdings bei der nächsten Begegnung mit dem Herrn Pastor damit rechnen, die Klage zu hören: „Ich habe dich vermisst! Genau Du hast am Sonntag hier gefehlt!“ Für die Messdiener nahm er sich jede Woche besonders Zeit: Am Freitagabend fand nach der Abendmesse mit größter Regelmäßigkeit die Messdienerstunde statt, zu der alle Ministranten ab dem 12. Lebensjahr nachdrücklich eingeladen waren. Nur die Sommerferien und der Freitagabend vor Karneval waren ausgenommen.

Diese Treffen, die der Pastor stets selbst leitete und auch bei schwerer Erkältung nicht ausfallen ließ, dienten dazu, die Bildung der Messdiener in Glaubensthemen zu fördern. Praktische Fragen der Liturgie wurden nur am Freitag vor der Karwoche besprochen. Die Messdienerstunden ergänzten oder ersetzten für einen sehr großen Teil der Jugendlichen den ausfallenden oder mäßigen Religionsunterricht. Werner Plenker kam es dabei darauf an, keinen Monolog zu halten, sondern wirklich in ein Gespräch zu kommen.

Er motivierte zum Mitdenken und bereitete sich auf diese Begegnungen mit ähnlicher Sorgfalt vor, wie auf die Sonntagspredigten. Meine Freude an der Theologie ist hier wesentlich mit grundgelegt worden. Aus dem Kreis der Messdiener, die Prälat Plenker betreut hat, sind nach meiner Kenntnis mindestens zehn Priester und zwei ständige Diakone hervorgegangen; aus der Reihe der anderen Kirchenbesucher ist darüber hinaus eine ähnliche Zahl von Ordensleuten erwachsen. Um gute Ehen zu ermöglichen, führte er am Abend des jährlichen Pfarrfestes eine Tanzveranstaltung ein. Manches junge Brautpaar, das in der Kupfergasse geheiratet hat, hatte sich beim regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse erst kennengelernt. Wer den Pastor einmal bei einer Taufe erlebt hat, der musste sein Bild von einem „donnernden Prediger“ ergänzen:

Prälat Plenker hatte eine sehr weiche und zarte Seite; zugleich war er stolz darauf, die neugetauften Säuglinge oft erfolgreicher in seinen Armen beruhigen zu können, wenn er sie der Gottesmutter empfahl, als dies den leiblichen Eltern gelang.

Natürlich war Werner Plenker nicht frei von Schwächen. Eine seiner größten war es vielleicht, dass er es im Laufe der Jahre unterließ, sich regelmäßig und ausreichend zu erholen. Am Anfang seiner Jahre bei der Schwarzen Mutter Gottes hatte er noch jedes Jahr einige Wochen Urlaub gemacht und dabei sichtlich neue Kraft geschöpft. In langen Spaziergängen mit dem Hund seiner Gastfamilie und befreit vom täglichen Andrang der Rat- und Hilfesuchenden konnte er seine geistige und körperliche Energie regenerieren. Als ihm zu Ohren kam, dass ein ihn vertretender Priester in dieser Zeit bei den Gläubigen Ärgernis erweckt hatte, pflegte er an den Sonntagen während seines Urlaubs zurückzukehren, um keine Verwirrung in der ihm anvertrauten Herde zuzulassen.

Auf die Predigten dieser Sonntage freuten sich viele Gläubige besonders, weil sie meistens nochmals eine eigene Qualität hatten. Da diese Zeit zugleich der Vorbereitung der jährlichen Fest-, Gebets- und Predigtwoche diente, die Pfarrer Plenker zu einem geistlichen Höhepunkt des Lebens in St. Maria in der Kupfergasse geführt hat, wurde er nicht müde, die Gläubigen zu einem innerlich und äußerlich intensiven Mitvollzug dieser Tage einzuladen.

Festwoche 1999: Präses Werner Plenker (rechts) mit unserem damaligen Präfekten, Horst Kühnemund (Mitte), und Assistenten, Wilfried Becher (links)

Festwoche 1999: Präses Werner Plenker (rechts) mit unserem damaligen Präfekten, Horst Kühnemund (Mitte), und Assistenten, Wilfried Becher (links)

Später ging er dann gar nicht mehr in den Urlaub aus Sorge, die sich häufende Büroarbeit nach der Rückkehr nicht mehr erledigt zu bekommen. Als der damalige Sekretär von Kardinal Meisner, Kaplan Rainer Woelki, auf Anweisung des Erzbischofs einmal für einige Wochen die Vertretung für Pfarrer Plenker übernahm, machte er im Gehorsam Urlaub, fand danach aber keine Kraft mehr, sich in ähnlicher Weise helfen zu lassen. Dies führte zu seiner vorzeitigen körperlichen Erschöpfung, die ihn im Jahre 2001 um seine Entpflichtung bitten ließ. Er hatte seine Kräfte buchstäblich aufgebraucht.

Solange er konnte, empfing er aber nicht nur weiterhin regelmäßig Besucher, unter denen auch weiterhin viele Beichtende waren, sondern half in Pulheim, Worringen und Thenhoven in der Zelebration aus. Auch bei den monatlichen Gebetsabenden in Neuss, die vom Fatima-Apostolat durchgeführt werden, war er jahrelang dabei, zelebrierte, predigte und wurde vor allem sehr rege als Beichtvater in Anspruch genommen.

Diese Freude blieb ihm auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand. Er wird jetzt von der Ewigkeit aus erst richtig ermessen können, wie vielen Menschen er mit seinem Dienst als gütiger Beichtvater, als wortgewaltiger Prediger und unermüdlicher Pastor den Weg zu Gottes Barmherzigkeit und zur ewigen Freude geebnet hat. Möge er denen, für die dieser Weg noch andauert, vom Himmel aus helfen, ihm und sich die Freude zu machen, dort anzukommen!

(Domkapitular Msgr. Dr. Markus Hofmann – Sodale unserer Kongregation)


Marianische Persönlichkeiten im Umfeld unserer MC
Dompfarrer Prälat Wilhelm Kleff < Pfarrer Prälat Werner Plenker > Pater Alexander Ultsch CMM