Pater Josef Spieker SJ

In bewegter und politisch unruhiger Zeit war Pater Josef Spieker Präses unserer Kongregation.Pater Josef Spieker SJ

Er wurde am 18. Juni 1893 in Mettingen (Westfalen) geboren. Seine Schul- und Priester-Ausbildung absolvierte er vorwiegend in Holland. Somit wurde er am 27. August 1924 in Valkenburg zum Priester geweiht. Sein sieben Jahre jüngerer Bruder August wurde ebenfalls Jesuit.

Pater Josef Spieker wurde von 1927 bis 1934/35 Präses unserer Kongregation. In dieser Aufgabe fand er zeitweise in seinem späteren Präses-Nachfolger, P. Peter Quirl eine helfende Unterstützung. Im Auftrag der Jesuiten baute Pater Spieker die Männerseelsorge in der Stadt Köln auf.

Im Kampf gegen die Weltanschauung des Nationalsozialismus, die er als unvereinbar mit dem Christentum ansah, war Pater Josef Spieker ein mutiger und vom Glauben zutiefst geprägter Präses.
In Köln erlangte er durch seine Schrift „Mein Kampf gegen Unrecht in Staat und Gesellschaft“ einen hohen Bekanntheitsgrad.

Seine Beliebtheit wurde noch gesteigert durch Vorträge mit anschließender Diskussion und abschließender eucharistischer Anbetung. Sehr bald wurden die Pfarrer der Stadt darauf aufmerksam, und er wurde um diese Vortragsabende für die Männer und Jungmänner in die Pfarrgemeinden gebeten.
Er sagte selbst: „Von Monat zu Monat stieg die Zahl der Teilnehmer“.

Besonders bei den jungen Männern stieg das Interesse an diesen Diskussionen, so daß sich einzelne katholische Standesverbände zunehmend dagegen wehrten. Aufgrund der heftigen Einsprüche sah sich Präses Spieker gezwungen, diese Vortrags- und Diskussionsabende einzustellen.

Er ging – aber nur für kurze Zeit – nach Berlin um sich in der Hauptstadt seelsorglich zu betätigen.

Doch die Enttäuschung über seinen Umzug nach Berlin in der Kölner Männerkongregation und bei den Kölner Männern überhaupt war so groß, daß der Kölner Erzbischof, Karl Joseph Kardinal Schulte, ihn nach den sehr starken Protesten wieder nach Köln holte.
Er nahm die Vorträge und Diskussionen mit anschließender Anbetung wieder auf.
Der Andrang war so überwältigend, daß dies nur mit Unterstützung von geschulten Laien möglich war.

Besonders lag ihm ab 1931 der Bußgang der Kölner Männer zur Schmerzhaften Mutter zur Wallfahrtskirche St. Marien in Köln-Kalk am Herzen. Er hat sich sehr um die Ausrichtung bemüht.
Er selbst schrieb einmal vom Gang der Bußprozession nach Köln-Kalk ins kommunistische Wohnviertel und den dort gleichzeitig zum Teil heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nazis.

In der Verkündigung des Glaubens blieb es nicht aus, daß er die Nationalsozialisten offen anprangerte, wodurch er vermehrt in große Konflikte mit der Gestapo geriet.
Seit 1934 wurde Pater Spieker wegen seiner Gegnerschaft zum NS-Regime mehrfach verhaftet.

Am 11. März 1935 wurde er von einem Sondergericht in Köln wegen Mangels an Beweisen freigesprochen, doch am 1. Mai 1935 als erster katholischer Priester im Konzentrationslager, und zwar wegen „Kanzelmißbrauchs“ im KZ Börgermoor (Emsland) inhaftiert.

Er kam aber wieder in Freiheit. Kurz nach seiner Freilassung und kurz vor seiner befürchteten Wiederverhaftung schmuggelten ihn Freunde mit einem PKW nach Holland und finanzierten seine baldige Weiterreise nach Chile. Dort wirkte er segensreich in der Seelsorge.

Nach Kriegsende kam er nach Düsseldorf und arbeite in der Männerseelsorge, vor allem in den Betriebsgruppen „Eisen und Stahl“. In seinen letzten Jahren war er auch für die Spanier tätig, und er widmete sich hier auch den Ärmsten der Armen.

Vielen Menschen war er Freund, Berater und Helfer.
Unserer Kongregation war er ein segensreicher Präses.

Unser 77. Präses, Pater Josef Spieker SJ, wurde am 29. Juni 1968 in die himmlische Herrlichkeit abberufen.

Katholische Monatsschrift „Der Fels - Katholisches Wort in die Zeit“, 35. Jahr, Nr. 4, April 2004 auf Seite 32: Pater Josef Spieker SJKatholische Monatsschrift „Der Fels - Katholisches Wort in die Zeit“, 35. Jahr, Nr. 4, April 2004 auf Seite 32: Pater Josef Spieker SJ

Dr. Eduard Werner berichtet in der Katholischen Monatsschrift
„Der Fels – Katholisches Wort in die Zeit“,
35. Jahr, Nr. 4, April 2004 auf Seite 32:

„P. Josef Spieker – der erste Jesuit im KZ“


Marianische Persönlichkeiten im Umfeld unserer MC
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