Pater Alexander Ultsch CMM

Persönliche Daten unseres Sodalen
GeborenNoviziat
Priesterweihe
Präfekt
Pastoraljahr
Versetzung
Superior
SeelsorgeSubsidiar
Gestorben
27. November 1932 Gößmitz
bei Bad Staffelstein / Oberfranken
1955 Mariannhiller Missionar
29. Juni 1961
Missionsschule Reimlingen
Augsburg Dominikanerkloster
1963 Missionsniederlassung Köln
1975
1987 St. Maria in der Kupfergasse
Studium Kunsthochschule
seit 20. März 2002
2. Dezember 2014
Portrait Pater Alexander (Josef) Ultsch CMM

 

Grafikarbeit P. Ultsch CMM   P. Alexander Ultsch CMM
Pater Alexander Ultsch CMM von den Mariannhiller Missionaren, Sodale und langjähriger Subsidiar an der Kongregationskirche

Sei getreu bis in den Tod

„Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben“

(Offb 2,10). Dies Schriftwort haben wir auf den Totenzettel für unseren Pater Alexander geschrieben. Der Abschied von ihm ist mir nicht leicht. Vor drei Jahren habe ich hier auf dieser Kanzel gestanden und ihm die Predigt zu seinem goldenen Priesterjubiläum halten dürfen. Damals waren wir voller Freude und haben ihm die schöne Stola geschenkt, die jetzt auf dem Sarg liegt, mit dem Bild der Schwarzen Mutter Gottes und dem Bild seines so geliebten Pater Pio. Heute ist ein Tag, an dem die Herzen traurig sind. Aber auch ein Tag, an dem unser Glaube wieder wachsen kann. Ein persönlicher Abschied ist es für mich. Pater Alexander und ich, wir standen einander nahe. Ich denke zum Beispiel zurück an unsere „Heilige Stunde“. Ich muss das erklären: „Heilige Stunde“ haben wir unsere wöchentliche Besprechung genannt. Zuerst jeden Freitagnachmittag, dann jeden Freitagmorgen Punkt 9 Uhr kamen Pater Alexander und ich über viele Jahre hinweg zusammen und haben die verschiedenen Dinge der Seelsorge hier an unserem Kirchort St. Maria in der Kupfergasse besprochen. Wir haben Dienste verteilt. Natürlich wurde im zweiten Teil dieser Besprechung munter erzählt. Wir besprachen dann auch die großen Dinge aus Kirche und Welt. Es war eine Stunde, an der wir in Treue festgehalten haben. Eine Stunde, die uns sehr kostbar gewesen ist. Eine „heilige Stunde“ der priesterlichen Brüderlichkeit durch eine lange Zeit hindurch.

Wir haben in Treue an der Besprechung festgehalten, aber das Wichtigste ist, dass Pater Alexander ein treuer Mensch war, und das in vielfacher Hinsicht. Die Treue bezog sich nicht nur auf das Verhältnis zu seinem Pastor, sondern überhaupt auf seinen ganzen Dienst. Wo es um seine Ordensgemeinschaft ging, um seine seelsorgliche Wiksamkeit unter Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, seine reiche Vortragstätigkeit etwa auch beim Katholischen Frauenbund, bei anderen katholischen Vereinigungen: Immer war es die Treue, die seinen Dienst in ganz besonderer Weise kennzeichnete. Ich persönlich habe diese Treue in vielfacher Hinscht erfahren. Pater Alexander hat mich immer wieder durch sein priesterliches Wort gestärkt, hat mich manchmal verteidigt; und er hat mir öfter den Kopf zurechtgerückt und mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn ich vielleicht ein wenig abgehoben hatte. Wir hätten uns heute noch das erste böse Wort zu sagen. Es war eine intensive Freundschaft. Ich habe versucht, seine Treue ihm durch Treue zu vergelten: Ich habe ihn begleitet zum Sterben, habe ihm die Sakramente gespendet, am Dienstagnachmittag noch an seinem Krankenbett für ihn die Sterbegebete gebetet. Er war schon in komatösem Zustand, aber als ich dann ganz zum Schluss noch das Gebet zur Schwarzen Mutter Gottes sprach, da hatte ih an einer Stelle den Eindruck, dass sein Mund sich leise bewegte. Wir wissen ja nicht, was er vielleicht noch aufgenommen hat. Ich habe ihn am Ende gedankt für seinen so langen Dienst hier unter uns und ich hoffe, dass er das noch verstanden hat. Und dann habe ich ihm zum Schluss gesagt. „Alexander, jetzt bist du bald eher oben als ich, jetzt musst du deine Treue in der Weise fortsetzen, dass du für die betest, die uns avertraut waren!“ Ich denke, er wird das ganz gewiss tun!

„Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben!“

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns ein wenig auf dir verschiedenen Merkmale der Treue schauen, die Pater Alexander uns vorgelebt hat. Er war ein Mann, der treu zu Gott stand und treu zu seiner priesterlichen Berufung. Wer Pater Alexander kannte, der weiß, dass er ein Mann des Gebetes gewesen ist. Er war auch ein Mann der schnörkellosen und frommen Feier der heiligen Messe. Die tägliche Zelebration ist ihm ganz besonders wichtig gewesen. Er kam jeweils in den allermeisten Fällen zu Fuß von der Brandenburger Straße nach hier und hat dann bei uns die heilige Messe gefeiert. Er sagte: „Das ist meine tägliche Bewegung.“ Manchmal hat er auch den Weg zweimal am Tag gemacht. Pater Alexander lebte auch aus der Kraft des priesterlichen Breviergebetes. Und er war einer, der hinter seiner priesterlichen Berufung ganz zurückgetreten ist. Er wollte niemals im Vordergrund stehen. Er war feinfühlig – ganz bestimmt – und hat unter Kränkung und Demütigung gelitten. Aber er hat niemals Wind um sich selbst gemacht. Er wollte nicht glänzen. Er war kein Freund des Brimboriums und des rhetorichen Glanzes. So etwas lag ihm völlig fern. Sein Wort als Theologe präsentierte sich schlicht, aber kenntnisreich. Pater Alexander war gläubig und er hat seine Predigten und Vorträge sehr gut vorbereitet. Stets stand er, wie gesagt, auch zu vermehrtem Dienst bereit. 25 Jahre lang hat er großartigen Dienst in der Festwoche zu Ehren der Schwarzen Mutter Gottes geleistet, Dienst in dieser Intensivwoche des katholischen Glaubens in Köln. Da war bei der Vorbereitung und der Durchführung der großen Glaubensveranstaltung eine wahre Herkulesaufgabe zu tun. Von Pater Alexander gab es nbie ein Wort der Klage. Man musste ihn hinterher quasi noch dazu drängen, ein paar Tage Urlaub zu nehmen. Alles für den Herrn! Das war sein Motto, demgemäß het er gaearbeitet. Liebe Mitbrüder! Welch ein Vorbild gerade auch für uns!

„Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben!“

Pater Alexander war auch einer, der treu zu den Menschen stand. Wer treu zu Gott steht, der bewahrt den Menschen die Treue. Er geht geduldig mit als Begleiter auf ihren Wegen. Ratend, helfend, sorgend, auch die Schwächen der Menschen ertragend und sie selbst dann nicht abweisend, wenn sie vielleicht manchmal nur anstrengend sind. Pater Alexander war einer, der auch die Anstrengenden unter uns ertragen hat. Er hat in dieser Weise vorbildlich gehandelt und gelebt. Im Beichtstuhl, in der Einzelseelsorge, in der Begleitung vermochte er die Menschen geduldig zu empfangen, oft genug auch aufzufangen. Er war als Beichtvater in hohem Maße geschätzt, weit über die Grenzen von Köln hinweg. Wenn wir auf sein Bild schauen, fällt uns vielleicht auf, welch gütige Augen dieser Mensch, dieser Priester, gehabt hat. Eine Fülle von Wohlwollen brachte er dem Mitmenschen entgegen, auf den er zuging. Andererseits konnte Pater Alexander auch Grenzen ziehen. Liebevoll, aber manchmal sehr entschieden. Wenn es ihm nämlich um der Menschen willen heilsam und auch nötig erschien. Er konnte sehr herzlich über bestimmte Übertreibungen der Frömmigkeit lachen. Wenn einige Leute ihre Alterserscheinungen für echte „Erscheinungen“ erklärten, konnten dem Pater gleichsam die hellen Tränen des Lachens über die Wangen laufen. Doch stieß er nie die Menschen zurück. Um der Treue zu ihnen willen beschäftigte Pater Alexander sich mit vielen Dingen. Er wollte auf der Höhe der Zeit bleiben. Auch mit neuen Zeitphänomenen hat er sich auseinandergesetzt, und das eher als ancher andere. So hat er zum Beispiel vor Jahren schon, trotz Hochachtung vor muslemischen Menschen, warnend auf bestimmte aggressive Spielarten des fundamentalistischen Islam hingewiesen. Er hat schon vor etlichen Jahren schon in seinen Predigten die „Gender“-Ideologie thematisiert und sie auch problematisiert. Er ließ nicht einnfach nur Zeiterscheinungen auf sich zukommen und über sich ergehen. Er sah sich auch hier in der seelsorglichen Verantwortung für die Menschen, denen er recht raten wollte. Pater Alexander war ein wachsamer Mann im Ausguck der Kirche, ein echter Wächter auf der Höhe der Zeit. Obwohl er aber manches kritisch sah, ist er niemals finster gewesen. Wir haben Pater Alexander als fröhlichen Menschen kennengelernt. Die Mitbrüder, die bei der Festwoche dabei waren, haben machen Abend mit ihm zusammengesessen. Wir haben viel mit ihm gelacht. Die Freude am Herrn war seine Stärke.

„Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben!“

Pater Alexander war auch treu als ein Mann der Kirche. Er stand in Treue zur konkreten Kirche. Er konnte bestimmte Repräsentanten der Kirche sehr kritisch beurteilen, wenn er an diesen zum Beispiel Pflichtversäumnisse oder auch Lieblosigkeiten feststellte. Aber er libete die Kirche durch und durch, er hat sich mit ihr identifiziert. Er hat mit iht gelebt und hat mit ihr gelitten. Und er war nach fünfzig Jahren noch mit derselben Freude und Begeisterung Priester wie am Anfang. Man konnte das immer wieder feststellen, wenn er den Dienst am Altar tat. Pater Alexander stand in Treue und in Liebe zum Papst und hat ein überzeugtes und ein überzeugendes Ja auch zur Fülle des katholischen Glaubens gesprochen. Er war in einem sehr realen Sinne ein wirklich guter Missionar dieser Kirche, obwohl er – als Angehöriger eines Missionsordens! – nie in den „Missionen“ in fremden Erdteilen tätig gewesen ist. Er hat der Kirche gedient auch als Illustrator religiöser Schriften und indem er die Ordensgeschichte fotografisch dokumentierte. Zum vollen Glauben der Kirche gehörte für ihn die Verehrung der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria. Seine Mitbrüder im Orden sagen: Wenn Pater Alexander vom Dienst an St. Maria in der Kupfergasse, bei der Gnadenmutter, sprach, dann leuchteten seine Augen. Liebe Brüder und Schwestern, er war ein marianischer Priester! Er wurde nicht müde, in vielen Predigten das Lob der Muter Maria zu singen. Er hat den heiligen Josef verehrt. Das war sein Taufname: Josef! Deswegen schon hatte er eine ganz besondere Beziehung zu diesem Heiligen. Und dann war da der heilige Pater Pio. Liebe Brüder und Schwestern, Pater Pio und Pater Alexander konnte man quasi in einem Atemzug miteinander erwähnen und nennen. Pater Alexander hat die Gestalt des heiligen Pater Pio, der ja noch vor nicht langer Zeit heiliggesprochen wurde, so leuchtend dargstellt, so transparent den Gläubigen zu vermitteln verstanden, dass der große Kapuziner für ganz viele Christen wichtig geworden ist. Er hat die Verehrung des heiligen Pater Pio wirklich in Köln verbreitet. Er hat mit meiner Unterstützung den Pater-Pio-Kreis an diese Kirche geholt und ihn zur Blüte gebracht. Als unser Pater Alexander in seiner letzten Krankheit im Hospital lag, haben wir über Pater Pio gesprochen. Ich habe ihm gesagt: „Hör mal, der Pater Pio wird die bei dem großen Übergang wohl ein guter Fürsprecher sein.“ „Ja“, entgegnete er und das unterstrich noch einmal den Grad der Vertrautheit mit diesem Heiligen: „Mit Pater Pio habe ich schon gesprochen, aber er hat noch nicht geantwortet.“ Eine Woche später hat Pater Pio geantwortet und wahrscheinlich zu Pater Alexander gesagt: „Nun komm und lass uns im Himmel zusammensein, am Thron der Gnade.“

„Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben!“

Pater Alexander stand auch treu zu sich selbst. Er stand zu seinen vielfältigen Begabungen. Er war ein vielfältig begabter Mensch. Pater Alexander konnte wunderschön malen. Er hatte nicht nur diese Befähigung, sondern auch eine graphische Ausbildung, hat den Mariannhiller Missionskalender illustriert und ihn zu einer publizistischen Größe im katholischen Deutschland gemacht. Pater Alexander war auch musikalisch. Er hat das Pater-Pio-Lied geschrieben – ebenso ein Lied zur Muter Gottes Maria. Beide finden wir im „Grauen Liederbuch“ von St. Maria in der Kupfergasse. Pater Alexander war aufrecht, demütig, aber niemals duckmäuserisch. Er war kein Mann des hü und hott. Er war einer, der sich einbrachte mit seiner vielfältigen, reichen Persönichkeit.

Liebe Brüder und Schwestern, unser Pater Alexander würde sagen: „Jetzt hör auf!“ Denn eine solche Trauerpredigt ist schließlich keine Heiligsprechungsbulle. Wir wissen, dass bei allen Fähigkeiten, die ein Mensch hat, bei allen Lebensleistungen, selbst ein guter Mensch ein armer Sünder bleibt. Pater Alexander würde sagen: „Gut, dass du auch das erwähnst!“ Deswegen wollen wir für ihn beten. Deswegen feiern wir für ihn die heilige Messe. Deswegen wollen wir das Gedenken an ihn nicht auf den heutigen Tag beschränken. Und so können wir sagen: „Lieber Pater Alexander, danke für alles! Wir legen dich in die Hand Gottes! Wir glauben, dass du bei ihm leben darfst! Wir dürfen dir immer wieder begegnen im Gebet und in der Feier der heiligen Messe! Unsere Gebete – das deine und das unsere – begegnen sich am Throne Gottes! Hilf uns, dass Gott auch zu uns einmal sage: „Ich werde dir die Krone des Lebens geben, weil ich dich treu erfunden habe bis in den Tod!““

Amen.

„Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben!“

P. Alexander hatte am 11.10.1948 in der Kapelle des Seminars Ottonianum in Bamberg seine Lebensweihe als Sodale der Marianischen Schülerkongregation abgelegt.

P. Alexander Ultsch CMM erhält die Sodalenurkunde  Sodalenurkunde von P. Alexander Ultsch CMM
Pater Alexander Ultsch CMM (zweiter von links) erhielt am 9. Juni 2011 die Sodalenurkunde aus der Hand unseres Präses, Klaus-Peter Vosen (vierter von links) im Beisein unseres Präfekten Wilfried Becher (dritter von links) und des Assistenten Richard Gosk (erster von links).


Marianische Persönlichkeiten im Umfeld unserer MC
Pfarrer Prälat Werner Plenker < Pater Alexander Ultsch CMM